Mögliche Gasmangellage

Antworten auf die häufigsten Fragen zur Gasversorgung infolge des Ukraine-Kriegs

 

Der Krieg in der Ukraine hat Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Der Energie-Sektor ist in besonderem Maß betroffen, die langfristigen Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Erstmals ist in Deutschland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen worden. Die SVO-Gruppe hat auf dieser Seite Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengefasst.

Warum gilt aktuell die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat auf die anhaltend angespannten Beziehungen zu Russland reagiert und am 30. März 2022 die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. In diesem Notfallplan ist geregelt, was zu tun ist, falls es dazu kommen sollte, dass in Deutschland weniger Gas zur Verfügung steht als ge- und verbraucht wird. Die Versorgung mit Gas ist aber aktuell nach wie vor sicher. Aus Russland fließt wie vereinbart und vertragsgemäß Gas ins deutsche Netz. Außerdem ist ausreichend Gas in den deutschen Speichern, die übrigens vorwiegend in Norddeutschland angesiedelt sind. Damit ist die Versorgung für diese Heizperiode sichergestellt. Die ausgerufene Frühwarnstufe stellt aber sicher, dass frühzeitig entsprechende Vorbereitungen für den Fall der Fälle getroffen werden können. So gibt es jetzt ein Krisenteam, das die Versorgungslage besonders genau und intensiv beobachtet und bewertet.

Ist in Deutschland schon einmal eine Frühwarnstufe ausgerufen worden?

Nein, bislang ist in Deutschland noch nie die Frühwarnstufe nach dem "Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland" ausgerufen worden. Vor Deutschland haben aber kürzlich schon die europäischen Länder Italien und Lettland zu dieser Maßnahme gegriffen. Ziel ist es, sich frühzeitig auf entsprechende Szenarien vorzubereiten und im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Welche Stufen sieht der Notfallplan Gas noch vor?

Bei der jetzt ausgerufenen Frühwarnstufe liegen "ernstzunehmende und zuverlässige Hinweise vor, dass eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgungslage eintreten kann". Die zweite Stufe des Notfallplans ist als Alarmstufe gekennzeichnet. Sie gilt dann, wenn tatsächlich eine Störung vorliegt. Der Markt kann die Versorgung aber trotzdem weiter gewährleisten, zum Beispiel durch (freiwillige) Sparmaßnahmen. Erst in der dritten, dann folgenden "Notfallstufe" greift der Staat aktiv und regulierend ein, und zwar wenn die Gasnachfrage am Markt nicht mehr gedeckt werden kann. Denkbar ist dann unter anderem die (Zwangs-)Abschaltung von Großverbrauchern sowie die behördliche Anordnung, den Gasverbrauch zu reduzieren.

Was bedeutet überhaupt "Gasmangellage"?

Eine Gasmangellage tritt dann ein, wenn es keinen Ausgleich zwischen Einspeisung und Ausspeisung mehr gibt. Oder anders ausgedrückt: Wenn weniger Gas ins deutsche Gasnetz kommt als verbraucht wird, reden wir von Gasmangellage. Gut zu wissen: Gasmangellage heißt nicht automatisch, dass überhaupt kein Gas mehr fließt, sondern nur, dass weniger Gas im Netz ist. Und das bedeutet: Das vorhandene Gas muss neu oder anders verteilt werden, damit das Gasnetz weiter stabil und sicher betrieben werden kann. Es gilt aber weiterhin: Für die laufende Heizperiode ist die Versorgung mit Erdgas gesichert. Aktuell halten alle Vorlieferanten ihre Verträge ein. Wir beliefern daher auch alle unsere Kunden mit dem Erdgas, das sie bestellt haben.

Was unternimmt die SVO-Gruppe bei einer Gasmangellage?

Wenn es zu einer Gasmangellage kommt, übernimmt die Bundesnetzagentur eine besondere Rolle, sie erhält zusätzliche Befugnisse. Bei ihr laufen dann alle Informationen über die aktuelle Versorgungslage in Deutschland zusammen - und sie bestimmt die weitere Vorgehensweise. Wir als sogenannter Verteilnetzbetreiber, der regional begrenzt die Leitungen bis zu den Endkunden betreibt, haben im ersten Schritt vor allem eine Aufgabe: der Bundesnetzagentur die Abnahmemengen der verschiedenen Verbrauchergruppen zu nennen. Danach wird entschieden, wo möglicherweise bei uns Gas eingespart werden kann.

Bleibt meine Wohnung oder mein Haus dann bald kalt?

Wer im Privathaushaushalt mit Gas heizt, gehört laut Energiewirtschaftsgesetz zu den sogenannten "geschützten Kunden". Das heißt, sie haben wie zum Beispiel Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr oder soziale Einrichtungen Vorrang und bekommen auch bei einer Gasmangellage weiter Gas zum Heizen (und Kochen). Privathaushalte genießen also den höchsten Schutzstatus, sie würden als letzte "vom Netz genommen".

Wer zählt zu den nicht geschützten Kunden?

Das sind überwiegend große Unternehmen und die Industrie, es sind Einzelabnehmer mit einem hohen Gasverbrauch. Diese Großverbraucher verfügen über einen RLM-Zähler ("Registrierende Leistungsmessung"), der regelmäßig Verbrauchsdaten an den Netzbetreiber sendet. Kurzfristig müssen aber auch diese (Groß-)Kunden nicht fürchten, dass sie plötzlich und überraschend "vom Netz genommen werden". Die Versorgung ist aktuell sichergestellt. Sollte es aber tatsächlich zu einer Gasmangellage in Deutschland kommen, könnten diese Kunden als erste abgeschaltet werden. Allerdings würde so ein Schritt immer mit ausreichend Vorlaufzeit erfolgen, damit zum Beispiel empfindliche Produktionsanlagen ordnungsgemäß heruntergefahren werden können.

Was ändert sich im Moment für mich als Kundin oder Kunde?

Nichts. Im Moment bleibt alles beim Alten. Sie bekommen weiter das Gas, das Sie zum Heizen Ihres Haushaltes oder für den Betrieb Ihrer Produktions-Anlagen brauchen. Sie können aber dem Aufruf zum Sparen von Bundesminister Robert Habeck folgen. Einmal, weil es der Umwelt und dem Klima hilft, und zum anderen, weil in der aktuell angespannten Weltlage gilt: Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde ist eine gute Kilowattstunde.

Was ist, wenn aus Russland kein Erdgas mehr kommt?

Wenn es tatsächlich zu einem Lieferstopp von russischem Gas kommt, ist die Gasversorgung für diese Heizperiode trotzdem gesichert. Das heißt: In den kommenden Monaten muss niemand frieren, kein Unternehmen muss seinen Betrieb einstellen oder die Produktion aufgrund von Gasmangel zurückfahren. Deutschland ist mit seinen Jahresverbrauchsmengen über das aktuelle Jahr hinaus von russischen Gaslieferungen abhängig, schließlich liefert Russland mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Erdgases. Welche langfristigen Folgen im Einzelnen ein länger andauernder Lieferstopp haben könnte, lässt sich heute noch überhaupt nicht abschätzen. Die Bundesregierung bemüht sich aktuell, neue Lieferquellen für Deutschland zu erschließen und damit ein Stück weit unabhängiger von russischen Lieferungen zu werden. So soll zum Beispiel zukünftig verstärkt Erdgas aus Norwegen kommen. Deutschland setzt darüber hinaus mittelfristig auf die Belieferung mit Flüssiggas ("LNG" = Liquefied Natural Gas) per Schiff. Der Bau entsprechender LNG-Terminals ist in Vorbereitung.

(Stand: 21. April 2022)