Energieflüsse zu erkennen und steuern zu können, ist wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Messsysteme, die laufend Daten an Netzbetreiber wie die Celle-Uelzen Netz GmbH (CUN) schicken, spielen hier eine entscheidende Rolle. Problematisch sind ländliche Bereiche mit schlechter oder gar keiner Mobilfunkabdeckung. Ein neuartiges Funknetz soll Abhilfe schaffen. Die CUN testet in einem Pilotprojekt alternative Kommunikationswege über das 450-MHz-Funknetz.
Celle. Das 450-MHz-Funknetz ist für Betreiber kritischer Infrastrukturen wie beispielsweise Wasser- und Energieversorger gedacht. Es funkt auf einer vergleichsweise niedrigen Frequenz und ermöglicht dadurch höhere Reichweiten und eine bessere Durchdringung von Gebäuden. So sollen Daten auch dort übermittelt werden können, wo es im herkömmlichen Mobilfunknetz beispielsweise aufgrund von Funklöchern bislang nicht möglich war. In einem Kooperationsprojekt mit dem Betreiber des Funknetzes, der 450connect GmbH, wird die CUN als Netzbetreiber der SVO-Gruppe in den kommenden Monaten prüfen, ob die Netzabdeckung in der Region zuverlässig vorhanden ist. "Das neue und zusätzliche Funknetz kann uns als Versorger dabei helfen, unsere Netze noch besser und sicherer zu betreiben. Davon profitieren am Ende auch unsere Kundinnen und Kunden", erklärt CUN-Geschäftsführer Dr. Ulrich Finke.
Rund 20 Kommunikationsmodule werden aktuell an verschiedenen Orten in der Region installiert. Es geht um Kellerräume in der Stadt, ländliche Gemeinden mit schlechter Mobilfunkabdeckung und Bereiche, in denen Funklöcher im Mobilfunknetz bekannt sind. Bei allen Standorten war eine zuverlässige Anbindung über das öffentliche Mobilfunknetz bislang nicht möglich. Gemeinsam mit der Betreibergesellschaft des 450-MHz-Funknetzes wird die Netzabdeckung jetzt genauer untersucht. Neben der Übermittlung von Daten ist auch Sprachkommunikation möglich. Auch das wird die CUN in nachgelagerten Tests unter die Lupe nehmen. Die Senderstandorte des 450-MHz-Funknetzes werden nicht öffentlich bekannt gemacht. Alle Standorte sind mit einer Notstromversorgung abgesichert. So sollen Datenübermittlung und Sprachkommunikation beispielsweise auch bei einem flächendeckenden Stromausfall möglichst über mehrere Tage gewährleistet bleiben.
Vorrangig geht es jetzt darum, intelligente Messsysteme bei Kundenanlagen einzubinden. Diese modernen Stromzähler sollen laufend Verbrauchsdaten an den Netzbetreiber übermitteln. Die vergangenen Jahre haben in der Praxis gezeigt, dass eine Einbindung der intelligenten Stromzähler regelmäßig nicht möglich ist, weil es vor Ort keinen Empfang gibt. "Hier hoffen wir ganz klar darauf, dass mit dem 450-MHz-Funknetz diese Probleme der Vergangenheit angehören“, so Finke weiter. Kunden, bei denen aufgrund von Verbindungsproblemen bislang kein intelligentes Messsystem eingebaut werden konnte, sollten nun zunächst das Ergebnis des Pilotprojekts abwarten. Es soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ist der Test erfolgreich, wird die CUN im Anschluss von sich aus auf bereits betroffene Kunden zugehen.
Das 450-MHz-Funknetz ist als Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland besonders geschützt und auf die speziellen Anforderungen ausgelegt. Hinter 450connect stehen insgesamt 70 Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit mit einem ausfallsicheren Kommunikationsnetz zu erhöhen. Der Zugang ist ausschließlich Betreibern kritischer Infrastrukturen vorbehalten, wie beispielsweise Energie – und Wasserversorgern.
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